[ Bestellung ] [ Zum UIN-Verzeichnis ] [ Zur Übersicht Publikationen ]


>> Umweltschäden und stoffliche Verwertungspotentiale in der Kali- und Salz-Industrie

Durch ein neues Verfahren ist es jetzt möglich, die zahlreichen Rückstandshalden der Kaliindustrie stofflich zu verwerten und damit gleichzeitig zu beseitigen. Eine Entlastung der Umwelt vor den schädlichen Einwirkungen des Salzes ist so in greifbarer Nähe.

Etwa 1000 Millionen Tonnen Verarbeitungsrückstände sind bis heute durch den Kalibergbau angefallen, die in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Hessen und Baden und dem benachbarten Elsass zu zahlreichen Kalihalden aufgeschüttet wurden. Diese Rückstandshalden bestehen überwiegend aus Steinsalz und teilweise Magnesiumsulfaten, die zu Siedesalz, Sole, Magnesiumoxiden und Gips verarbeitet und dadurch beseitigt werden könnten. Außerdem fallen in den Kaliwerken jedes Jahr etwa zehn Millionen Kubikmeter magnesiumchloridreiche Endlaugen an, die ebenfalls durch Einleitung in Flüsse und durch Verpressung im Zechstein-Plattendolomit beseitigt werden, aber zur Gewinnung von Magnesiumoxiden verwertet werden könnten. Gleichzeitig werden in Deutschland in sieben Steinsalzbergwerken und etwa einem Dutzend Aussolungsbergwerken und Kavernenanlagen jährlich rund 15 Millionen Tonnen Salz in Form von Steinsalz und Sole gefördert. Dieser Bergbau verbraucht primäre Ressourcen und verursacht neue Umweltschäden, insbesondere Bergschäden. Außerdem ist Deutschland einer der wichtigsten Importeure von Magnesiumoxiden aus ausländischen Primärlagerstätten, während eigene Magnesiumressourcen durch Beseitigungsmaßnahmen vernichtet werden.

Die Kalihalden stören das Landschaftsbild, versalzen Oberflächen- und Grundwasser und beeinträchtigen damit die Gewinnung von Trinkwasser. Durch die Salzgehalte wird Korrosion begünstigt und zahlreiche Biotope werden zerstört. Die jährlichen Schäden für die Volkswirtschaft belaufen sich auf dreistellige Millionenbeträge. Die Abdeckung von Kalihalden ist besonders bei großen Halden keine wirkliche Lösung des Versalzungs-Problems; sie dient nur als Vorwand zur Weiternutzung der Halden als billige Abfalldeponien.

Eine stoffliche Verwertung der Kalihalden könnte etwa 12 bis 13 Millionen Tonnen Salz pro Jahr durch Recyclingsalz substituieren. Die Verwertung kann durch ein neues Verfahren zur Sanierung und Verwertung von Rückstandshalden (SAVE-Verfahren) erfolgen, das auf bewährte Technologien zurückgreift: Durch Beregnung der Halden wird eine Rohsole erzeugt, die nach Reinigung entwerder direkt als Rohstoff zur Sodaherstellung und Chloralkali-Elektrolyse dient, oder zu Siedesalz (NaCl>99,95%) verarbeitet werden kann. Als Nebenprodukte entstehen hochreines Magnesiumhydroxid sowie Gips.

Die Energiebilanz des SAVE-Verfahrens ist besser als bei konventioneller Solegewinnung und wesentlich besser als beim Stein-salzbergbau. Die Gewinnung von Steinsalz ist energetisch nur dann noch vorteilhaft, wenn es direkt verwendet werden kann (z.B. Streusalz) und nicht aus Qualitätsgründen zu Reinsole oder Siedesalz weiter veredelt werden muss. Die Kosten für die Herstellung von SAVE-Recyclingsalz sind nicht höher als bei konventioneller Gewinnung von Sole oder Siedesalz.

Aufgrund von Bestimmungen des Bundesimmissionsschutzgesetzes und des Kreislaufwirtschaftsgesetzes wäre eine stoffliche Verwertung der Kalihalden vorzuschreiben und eine bevorzugte Verwendung von Recyclingsalz vorzunehmen. Dies geschieht bisher nicht, obwohl die Kali- und Salzindustrie, die für die Entstehung der Rückstandshalden verantwortlich ist, zur Hälfte in Bundesbesitz ist (49 Prozent Aktienanteile von der Kali und Salz GmbH).


UIN 53 (2003), 48 Seiten. 8,50 Euro.


[ Bestellung ]

[ Zum UIN-Verzeichnis ]