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Der Wesertunnel - ein Jahrhundertbauwerk?

von Karlheinz Narten, AK Verkehr im LBU Niedersachsen e.V.

Nach fünfjähriger Bauzeit ist er am 20.01.2004 eingeweiht worden. Er ist 1640 Meter lang, hat zwei Rampen mit 338 bzw 353 Metern und kostet 365 Millionen Euro. Der Bund ließ das Bauwerk von Banken und Firmen vorfinanzieren und will die Kosten bis zum Jahr 2018 abstottern. Samt Zinsen müssen die deutschen Steuerzahler - allesamt - für das Jahrhundertbauwerk ungefähr 450 Mio Euro aufbringen.

Die Autofahrer, man rechnet mit täglich 10 000 Autos, haben allein den Nutzen davon, denn eine Fährpassage kostete bislang pro Fahrt zwischen 4,50 Euro für Pkw und 16 Euro für einen Lkw.

Nur die Autofahrer? Ja, denn der Wesertunnel ist nicht für Fußgänger und Radfahrer gebaut. Konnten diese Personengruppen bisher mit der Weserfähre hinüberschippern, so müssen sie sich jetzt ein Auto kaufen. Wie lautet die Überschrift der »Hannoverschen Allgemeinen Zeitung« am Tag nach der Eröffnung: »Der Tunnel soll aus dem Abseits führen«. Bitte nicht übersehen! Würde es sich hier um eine Schienenstrecke handeln, dann müsste jedes Schienenverkehrsunternehmen für die Benutzung der Bahnstrecke einen Trassenpreis zahlen, wie es auf allen deutschen Bahnstrecken üblich ist, im Gegensatz zur Straße. Somit führt der Wesertunnel für die Bahn eher ins Abseits, statt hinaus. Die einweihenden Politiker, allen voran der Niedersächsische Ministerpräsident, Christian Wulff, hatten auch prompt weitsichtig ihre Wunschliste parat. Nun müsse die »wünschenswerte« Küstenautobahn, die A 22 als große Ost-West-Verbindung von den Niederlanden bis ins Baltikum, bald gebaut werden. Die A 20 gehört natürlich auch dazu. Herr Wulff hat aber noch einen weiteren Wunsch zur Bebauung der Region, nämlich den »Küstenrapid« von den Niederlanden bis nach Moskau. Wenn das Peter der Große noch erleben könnte? Damit kommt ein reger Ost-West-Verkehr quer durch die Küstenregion. Autobahnraststätten sorgen für Arbeitsplätze in der industriearmen Region.

Wer Straßen baut, erntet Autoverkehr. Die Autoindustrie kann sich freuen.

Die Eisenbahn war bei der Einweihung des Jahrhundertbauwerkes kein Thema. Und was den Transrapid anbetrifft, hatte die Nachricht aus China unseren Ministerpräsidenten wohl noch nicht erreicht. Nur kurze Zeit nach der Inbetriebnahme der 30 Kilometer langen Transrapidstrecke zwischen der Innenstadt zum Flughafen von Schanghai kommt die chinesische Regierung bereits zu der Überzeugung, dass der Transrapid nicht kompatibel mit der Eisenbahntechnik ist und man deshalb die 1300 Kilometer lange Strecke Peking-Schanghai mit der konventionellen Eisenbahntechnik bauen will.


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