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>> Pressemitteilung vom 27. Mai 2003:


Scheinverwertung von Dioxin- und Schwermetall belasteter Salzschlacke zur Rekultivierung?

Kalihalde Sigmundshall entpuppt sich als Giftmülldeponie

Das zur Kali + Salz Gruppe gehörende Kaliwerk Sigmundshall (K+S Sigmundshall) in Wunstorf-Bokeloh, Region Hannover, beantragt eine Erweiterung seiner Kalihalde. Auf dem heutigen Scoping-Termin zur Festlegung der Inhalte einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) wurde deutlich, dass von der bereits bestehenden und noch einmal stark anwachsenden Rückstandshalde erhebliche Gefahren für die Umwelt ausgehen.

Nach den Vorstellungen der Bergwerksgesellschaft soll die hauptsächlich aus Steinsalz bestehende Rückstandshalde weiterhin mit giftigen Abfällen der Salzschlacke-Aufbereitung überdeckt werden. Diese als Sondermüll eingestufte Salzschlacke fällt beim Aluminium-Recycling an und ist typischerweise durch hohe Schwermetallanteile und Dioxingehalte gekennzeichnet. Außerdem entwickelt die Salzschlacke bei Kontakt mit Wasser gefährliche Gase, darunter Ammoniak, Methan und Arsenwasserstoff. Auf dem Werk Sigmundshall wird aus dieser Salzschlacke Kaliumchlorid zur Wiederverwendung herausgelöst, während der Rest aus Natriumchlorid und Aluminiumoxid nach Mischung mit Kraftwerksaschen und Rauchgasreinigungsrückständen zur Abdeckung der eigentlichen Kali-Rückstandshalde »verwertet« wird.

Dr. Ralf Krupp, der für den BUND und den LBU an dem Termin teilnahm, sagt dazu: »So kann nach einigen Jahren dann Gras über die Altlast wachsen, ohne dass der Umwelt auf Dauer ein einziges Gramm Salz erspart bleibt. Diese Scheinverwertung dient in Wirklichkeit dazu den Giftmüll loszuwerden, der andernfalls zu hohen Kosten in eine Sondermülldeponie eingelagert werden müsste.«

Nach Krupps Meinung hat die Industrie aus dem Kieselrot-Skandal ebensowenig gelernt wie aus einem anderen Fall vor einigen Jahren, in dem ebenfalls dioxinverseuchte Salzschlacke aus der Schweiz illegal nach Setubal in Portugal verschoben wurde und am Ende in Lünen (NRW) deponiert wurde.

Kein Entgegenkommen zeigte die Firma K+S auch in der Frage der Untersuchung der Abwasserproblematik. Man verwies auf bestehende Genehmigungen zur Einleitung der anfallenden Haldenabwässer und Produktionswässer in die Leine, wozu seit einigen Jahren eine Pipeline existiert.

Im Hintergrund dieses Themas schwelt auch noch ein juristisches Problem vor sich hin. Das Landesbergamt und die Firma K+S sind nämlich der Auffassung, die Rückstandshalden der Kaliwerke seien gar keine Abfälle und müssten daher auch nicht verwertet werden, auch wenn dies technisch möglich und wirtschaftlich zumutbar ist. Mit dieser vorsintflutlichen Auffassung werden sie aber womöglich scheitern, denn zurzeit ist in anderem Zusammenhang eine Beschwerde bei der EU-Kommission anhängig, Auch in Buggingen in Baden hat aufgrund einer Strafanzeige des BUND die Firma K+S zumindest in erster Instanz eine Niederlage hinnehmen müssen, weil sie sich ihrer Sanierungspflicht an der dortigen Kalihalde entziehen wollte.

BUND und LBU werden auch weiterhin alle Entwicklungen auf diesem Sektor kritisch verfolgen, denn die Kalihalden werden unsere Kindeskinder in tausend Jahren noch beschäftigen, wenn wir heute nicht dafür sorgen, dass die Verursacher zur Sanierung heran gezogen werden.


Eine gemeinsame Pressemitteilung des LBU Niedersachsen mit dem BUND. Rückfragen an die LBU-Geschäftsstelle, Alexanderstr. 7, 30159 Hannover; Tel. (05 11) 3 68 15 20; Fax (05 11) 3 68 13 31; E-Mail: [ info@lbu-niedersachsen.de ]


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