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Umweltschutz in Polen - der LBU im Gespräch mit Prof. Marek Dutkowski von der Universität Danzig

Wo Parteien wie Wassermelonen sind

von Martin Rücker, LBU Niedersachsen e.V.

Fast 30 Millionen Euro hat Deutschland in den letzten zehn Jahren locker gemacht, um den Umweltschutz in Polen zu fördern. Gerade erst wurden 16,3 Millionen Euro in zwei Projekte gesteckt: Die Wasserentsorgung in Szprotawa soll erneuert, zwei Straßenbahnlinien in der Stadt Wroclaw modernisiert werden. Werfen wir einen Blick in unser Nachbarland - wie steht es dort um die Umweltschützer?

Umweltschutz in Polen muss fast ohne eine politische Plattform aus-kommen. Eine grüne Bewegung, eine etablierte Partei gar wie in Deutschland Die Grünen, gibt es nicht. Höchstens einzelne Ökologen in den Parteien, die absolute Minderheit. Früher waren es mehr, die sich den Umweltschutz auf die Fahne geschrieben hatten. »Ganz komische Figuren«, sagt Marek Dutkowski. »Organisiert waren sie in Wassermelonenparteien: außen grün, aber innen ganz tief rot...« Gerade diese verkappten Kommunisten hätten viel kaputt gemacht für den Umweltschutz in Polen.


Zur Person: Marek Dutkowski (geboren 1954 in Zoppot/Polen) hat 25 Jahre Berufserfahrung in der Raum- und Umweltforschung. Nach einem Forschungsstipendiat der Alexander-von-Humboldt-Stiftung in Bremen ist er seit 1998 Professor für Wirtschaftsgeographie an der Universität in Danzig. Er gründete und leitet den Lehrstuhls für Re-gionalentwicklung. Dutkowski ist aktives Mitglied in Umweltschutzverbänden.

Dutkowski selbst ist Umweltschutz-Aktivist, Professor für Wirtschaftsgeographie an der Universität Danzig und Korrespondent der Akademie für Raumforschung und Landesplanung in Hannover. Die Grundlagen sind eigentlich da in Polen, meint er. »Nachhaltigkeit« ist ein Gebot von Verfassungsrang. Ein Umweltministerium existiert schon seit 1973. »Wohl das erste der Welt«, vermutet Dutkowski. In Deutschland kam man erst 1986 nach der Tschernobyl-Katastrophe auf die Idee, eine solche Behörde zu installieren.

Umweltämter und eine Umweltpolizei haben ebenfalls Anfang der 70er-Jahre die Arbeit aufgenommen. »Aber die sind froh, wenn sie zwei Umweltsünder aus der Wirtschaft haben, mit denen sie sich streiten können.« In einer ohnehin schwierigen Wirtschaftslage sollen die Unternehmer nicht noch mit strengen Umweltauflagen belästigt werden.

Dutkowski beobachtet immerhin ein steigendes Umweltbe-wusstsein in der polnischen Bevölkerung. »Aber wie auch in Deutschland wird mehr gesagt als getan. Und die Anhänger grüner Bewegungen bewegen sich mit dem Auto.« Der 48-Jährige stöhnt: »Das Problem ist nicht einmal fehlendes Geld«, vielmehr am Geldmanagement lege es in einem Land, das die Regierungen wechselt wie so mancher seine Unterwäsche. »Man findet keine politischen Mehrheiten«, so Dutkowski.

Drei Problemkinder sind es vor allem, die Polens Umwelt belasten:
  • Steigende »Chemisierung«: Immer mehr chemische Mittel erhalten Einzug in den Alltag
  • Müllproduktion: Polen ist mit führend in der Verpackungsindus-trie. Und: Keine Großstadt hat eine richtige Deponie.
  • Autoverkehr: Der Motorisierungsgrad steigt, ohne Auto geht es nicht. Dutkowski: »So ist der Straßenbau das Ziel Nr. 1 für jeden Bürgermeister.«
Um etwas zu verändern, müsse erst einmal das Bewusstsein in der Bevölkerung weiter wachsen. Die Informationspolitik ist jedoch sehr schwach. Und, als wäre das nicht genug, steckt das öffentliche und politische Engagement in der Krise: »Verbände haben kaum Zuspruch, die besten jungen Leute wollen von Politik nichts wissen." Ökologische Studiengänge gibt es zwar. Aber viele Absolventen sind arbeitslos. Und so ist es eben an vielen Stellen: Die Voraussetzungen sind da, mehr jedoch nicht.

So hoffen die Ökologen auf eine endgültige Annäherung und politische Angleichung Polens an die EU. Projekte, wie die vom deutschen Umweltministerium finanzierten, können also nur helfen.


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